Lesereise DEUTSCH · KLASSE 5
Etwa 20 Minuten · ohne Zeitdruck

UNTERWEGS MIT DER 5B

Ein Plan kommt ins Wanken

Lies die Geschichte. Beantworte danach die Fragen und belege deine Entscheidung im Text.

0 von 12 Fragen gelöst0 von 12
DEIN LESETEXTCa. 6–8 Minuten Lesezeit
Schon gelesen? Zu den Fragen ↓

Das Geheimnis der alten Mühle

Eine Klassenfahrt, ein Regentag und eine Entdeckung, die niemand geplant hatte.

1 Endlich unterwegs

Als der Bus am Montagmorgen vor der Schule hielt, stand die Klasse 5b schon mit ihren Reisetaschen bereit. Drei Tage würden die Kinder in der Jugendherberge am Waldsee verbringen. Mila hatte seit einer Woche jeden Abend ihren Rucksack überprüft. Regenjacke, Trinkflasche, Taschenlampe: alles dabei. Nur das kleine Notizbuch steckte sie erst kurz vor der Abfahrt ein. Darin wollte sie besondere Erlebnisse sammeln. Ihr Freund Ben hatte andere Pläne. „Hauptsache, wir gehen auf den Kletterparcours!“, sagte er. Den Ausflug dorthin hatte die Klasse für Dienstag vereinbart.

Nach knapp zwei Stunden erreichten sie die Jugendherberge. Hinter dem Haus lag eine Wiese, dahinter begann der Wald. Den See konnte man zwischen den Bäumen erkennen. Frau Yilmaz, die Klassenlehrerin, erklärte die wichtigste Regel: Niemand sollte das Gelände allein verlassen. Bei allen Ausflügen würden die Kinder in festen Gruppen bleiben. Mila, Ben, Jona und Aylin bildeten zusammen die Gruppe „Waldfüchse“.

2 Ein anderer Dienstag

Am Dienstag trommelte Regen gegen die Fenster. Beim Frühstück teilte Frau Yilmaz mit, dass der Kletterparcours wegen des Gewitters geschlossen blieb. Ben schob sein Brötchen zur Seite. „Dafür hätten wir auch zu Hause bleiben können“, murmelte er. Mila verstand seine Enttäuschung. Trotzdem war sie neugierig, als Herbergsleiter Herr Weber eine Alternative vorschlug: Im alten Mühlenhaus neben der Jugendherberge wartete eine Rätselrunde auf die Klasse.

Das Gebäude gehörte zum Herbergsgelände und war längst keine arbeitende Mühle mehr. Heute fanden dort Ausstellungen und Workshops statt. Herr Weber hatte für die Kinder Umschläge mit Hinweisen vorbereitet. Jede Gruppe sollte herausfinden, wozu ein geheimnisvoller Gegenstand früher benutzt worden war. Wer die Lösung gefunden hatte, sollte nicht sofort losrufen, sondern sie mit zwei Hinweisen begründen.

3 Eine Spur aus Holz

Die Waldfüchse bekamen ein Foto. Es zeigte einen flachen, runden Holzrahmen mit einem engmaschigen Drahtnetz. „Ein alter Tennisschläger ohne Griff“, meinte Ben. Jona lachte, doch Aylin drehte das Foto um. Auf der Rückseite stand: „Ich lasse Kleines durch und halte Größeres zurück.“ Im Umschlag lag außerdem ein Zettel: „Sucht dort, wo aus Körnern etwas Feines wurde.“

Ben lief sofort zur großen Waage am Eingang. Mila blieb bei einer Tafel stehen, auf der beschrieben wurde, wie Getreide gemahlen wurde. „Wartet mal. Wir sollen doch erst die Hinweise lesen“, sagte sie. Jona las laut vor: Nach dem Mahlen wurden grobe Schalenteile vom feinen Mehl getrennt. Aylin schaute erneut auf das Foto. Nun passte die Form zu einer Aufgabe: Der Gegenstand musste ein Sieb sein. Die kleinen Mehlteilchen konnten durch das Netz fallen, größere Teile blieben darin liegen.

4 Der nasse Zettel

Für den zweiten Teil der Rätselrunde mussten die Gruppen kurze Beobachtungen notieren. Ben nahm den Antwortzettel und ging zu einem Tisch am offenen Fenster. Ein Windstoß trieb Regentropfen herein. Als er den Zettel zurückzog, war die Schrift an einer Stelle verschmiert. „Na toll. Jetzt müssen wir alles neu machen“, sagte er und knüllte eine Ecke um.

Mila holte ihr Notizbuch heraus. Sie hatte die beiden entscheidenden Hinweise bereits abgeschrieben. „Nicht alles. Nur unsere Erklärung fehlt noch.“ Ben strich die Ecke wieder glatt. Dann schlug er vor, gemeinsam einen Satz zu formulieren. Jona begann, Aylin ergänzte die Funktion des Netzes, und Ben schrieb die Erklärung sorgfältig auf die trockene Rückseite. Diesmal wartete er, bis alle zugestimmt hatten.

5 Kein Wettlauf

Die Waldfüchse waren nicht als Erste fertig. Als sie ihren Zettel abgaben, saßen zwei andere Gruppen schon auf den Bänken. Herr Weber betrachtete ihre Erklärung und nickte. „Ihr habt nicht nur geraten. Ihr könnt zeigen, warum eure Lösung passt.“ Jede Gruppe, die ihre Antwort nachvollziehbar begründete, erhielt eine kleine Postkarte von der Mühle. Es gab keinen Preis für Schnelligkeit.

Nach der Rätselrunde durfte die Klasse in einem Workshop aus fertig gemahlenem Mehl kleine Brötchen backen. Ben und Mila wogen das Mehl ab, während Jona und Aylin Wasser und Hefe vorbereiteten. Als Ben die Schüssel zu schnell kippte, landete etwas Mehl auf seinem Pullover. Dieses Mal lachte er selbst. „Wenigstens müssen wir das nicht wieder zusammensammeln.“

6 Was in Erinnerung bleibt

Am Abend hatte der Regen aufgehört. Die Klasse saß auf der überdachten Terrasse und aß die selbst gebackenen Brötchen. Frau Yilmaz fragte, welcher Moment die Kinder überrascht hatte. Ben sah kurz zu Mila. „Ich dachte, der Tag wäre gelaufen. Aber ohne den Regen hätten wir die Mühle gar nicht kennengelernt.“ Den Kletterparcours wollte er trotzdem irgendwann besuchen.

Vor dem Schlafengehen schrieb Mila in ihr Notizbuch: „Heute haben wir einen Plan verloren und eine Geschichte gefunden.“ Daneben klebte sie die Postkarte. Auf der Heimfahrt am Mittwoch fragte Ben, ob er sich das Notizbuch ansehen dürfe. Er blätterte bis zur Mühlenseite und gab es erst nach einer Weile zurück. Unter Milas Satz stand nun in seiner Schrift: „Und nächstes Mal lesen wir zuerst die Hinweise.“

Eine eigens für diese Leseübung verfasste Geschichte.